Archäologische Verwechslung mit Folgen

In Steinbrunn befindet sich ein bedeutendes Gräberfeld aus der Völkerwanderungszeit. Genauer gesagt: Es befand sich in Steinbrunn. Denn der Großteil der Gräber dürfte zerstört worden sein. Eine kleine archäologisch-tragische Verwechslungs-Geschichte.
Es ist natürlich ein Pech, wenn ein Gräberfeld später einmal als Sandgrube verwendet wird. Oder wenn ausgerechnet hier militärische Bunker errichtet werden, die als Geheimsache gelten. Und es ist ein archäologisches Unglück, wenn die Bedeutung von Fundstätten unterschätzt wurde.

Dort, wo sich heute die Schießanlage des Jagd- und Sportschützenklubs Steinbrunn befindet, wurde  Sand abgebaut.

Am 22. September 1949 wurden bei Baggerarbeiten in rund zwei Meter Tiefe mehrere Menschenskelette gefunden. Experten des Landesmuseums wurden verständigt. Dort erinnerte man sich an Ausgrabungeen, die 1931 in der Nähe der Fundstelle erfolgten. Damals hatte der „freiwillige Arbeitsdienst“, ein Arbeitslosen-Projekt des Landes, beim Bahndamm der Raaberbahn Fundamente einer Anlage aus römischer Zeit freigelegt. Lange Zeit wurde der Fund als Reste einer „Römerstasse“ interpretiert.  Dabei hat es sich aber um Reste einer römischen Villa gehandelt. 1949 folgerten die Sachverständigen jedenfalls, dass es sich bei den Knochen aus der Sandgrube um römische Gräber handelt.

In den folgenden Jahren wurden immer wieder Skelette in der Sandgrube gefunden. Auch als die Bunkeranlage im militärischen Sperrgebiet neben der Grube errichtet wurde, wurden Funde gemacht. Diese Funde zeigten, dass es sich um Gräber aus der Völkerwanderungszeit handeln musste. Erst 1964 wurden die noch vorhandenen Gräber wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde der berühmte Langobarden-Helm gefunden. Die Bedeutung des Steinbrunner Gräberfeldes war lange Zeit falsch eingeschätzt worden, weil sich Langobarden nur wenige Jahrzehnte in unserem Gebiet aufgehalten haben und Funde dementsprechend selten sind.

1945, Bergwerk: Wien steigt wieder ein

 

Im November 1945 erschien folgender Zeitungsartikel:

Ein Braunkohlenbergbau der Gemeinde Wien

Der Stadtsenat hat die Aufschließung eines Braunkohlenbergbaues in der Gemeinde Stinkenbrunn bei Ebenfurt genehmigt und hat dafür einen Sachkredit von 500.000 RM bewilligt. Der Bergbau in Stinkenbrunn wird von den Wiener städtischen Elektrizitätswerken betrieben werden. Die dort geförderten Kohlen werden zum Teil im städtischen Elektrizitätswerk in der Engerthstraße, das für die Verfeuerung dieser Kohlensorte eingerichtet ist, verbraucht werden. Zum anderen Teil werden sie der niederösterreichischen Industrie, die jetzt hochwertige Grünbacher Steinkohle verfeuert, geliefert. Dadurch wird Grünbacher Steinkohle frei, die dann im Kraftwerk Simmering unserer Elektrizitätserzeugung nutzbar gemacht werden kann. Auf diese Weise werden die Wiener Elektrizitätswerke in absehbarer Zeit wieder imstande sein, die über die Leistungsfähigkeit der Wasserkraftwerke gehende Stromspitze durch die Erzeugung kalorischen Stroms zu decken.

 

Quelle: Weltpresse, Wien, Freitag 23. November 1945, Seite 5

 

 

1928: Um das Geld aus Amerika betrogen

 

Im Oktober 1928 schrieb die „Arbeiter Zeitung“:

 

Einem Bauernfänger aufgesessen.
Dienstag vormittag hatte der Zimmermann Paul Ludowatz aus Stinkenbrunn in einem Bankhaus Dollars eingewechselt, die er aus Amerika mitgebracht hatte. Am
Stephansplatz lächelte ihn ein ihm völlig unbekannter Mann freundlich zu und sprach ihn mit seinem Namen an. Ludowatz glaubte schließlich, daß der Mann ihn wirklich kenne und folgte seiner Einladung, in ein Gast Gasthaus zu gehen, ohne Sorge. Im Gespräch erzählte der „gute Bekannte“, daß er für den Sekretär in Stinkenbrunn Radiomaterial zu besorgen habe und bat Ludo Ludowatz, das Material gleich dem Sekretär mit mitzunehmen. Auf der Wollzeile ging der Unbekannte in ein Haus, er erschien aber rasch wieder und mißgestimmt erzählte er, daß das Radiogeschäft nicht in der Lage sei, ihm eine Tausendschillingnote zu wechseln. Auf die Frage des Mannes, ob Ludowatz dies nicht tun könne, erklärte dieser, nur achthundert Schilling bei sich zu haben. Der Mann nahm ihm diese schließlich ab und verschwand dann auf Nimmerwiedersehen.
Der Landmann wartete bis gegen 3 Uhr nachmittags auf den Unbekannten, dann erkannte er, daß er einem Schwindler auf aufgesessen sei. Der Schwindler hat offenbar im Bankhaus, wo Ludowatz die Dollarnoten einwechselte, auf dem Blankett den Namen des Zimmermanns gelesen und aus dieser Kenntnis dann auf seine Weise Kapital geschlagen.

 

Bei Paul „Ludowatz“ dürfte es sich um einen Übermittlungsfehler handeln: Es dürfte sich um Paul Gludowatz handeln.

 

Bearbeitung folgt.

Die Rolle der Milchgenossenschaft nach dem WW2

 

Die „Burgenländische Freiheit“ schrieb im Oktober 1946:

 

Stinkenbrunn

Was guter Wille, der Bauern Verständnis für die Not der Zeit und eine einsichtsvolle Gemeindeverwaltung zu leisten imstand sind, zeigt die Milchgenossenschaft Stinkenbrunn. Drei Tage nach dem Einmarsch der Roten Armee war der langjährige Sammler Franz Mannsberger schon wieder dabei, allen Milchproduzenten verständlich zu  machen, daß man jeden Tropfen Milch benötige. Die Ortsbevölkerung wurde versorgt und die überschüssige Milch nach Neufeld und Eisenstadt geschickt. Am 31. August 1946 kann nun die Milchgenossenschaft Stinkenbrunn laut Aufstellung in den Büchern, melden, daß bisher 102.466 Liter Milch eingesammelt wurden. Während er 17 Monate mach das 6027 Liter pro Monat aus. Die Zahlen sollen für viele Gemeinden ein Beispiel sein… (es folgen Zahlen anderer Gemeinden)

 

Anmerkungen:

Die Milchgenossenschaft spielte eine wichtige Rolle in Steinbrunn. Nach dem Krieg hatte die Genossenschaft noch unglaubliche 120 Mitglieder. Jeden Tag wurde die frische Milch von den Bauern zur Milchsammelstelle in der Unteren Hauptstraße (wo heute die alte Raika steht) gebracht. Dort nahm sie der Milchsammler entgegen, die Milch wurde gekühlt und in größere Kannen umgefüllt.

Die über 200 Kühe wurden unter der Woche zu Mittag aus dem Dorf auf die Weide auf der Draschka getrieben, wo sie bis am Abend blieben.

Quelle: Burgenländische Freiheit, Nr 29, 13. Oktober 1946, Seite 7.

1956: Neuer FF-Kommandant

Im Dezember 1946 schrieb die „Burgenländische Freiheit“:

 

Stinkenbrunn

Freiwillige Feuerwehr. Am 27.November 1946 versammelten sich im Gasthaus Lasakovits die Feuerwehrmänner, um den Jüngeren das Kommando zu übergeben. Herr Andreas Mespolits (sic), Stinkenbrunn 29, wurde auf Grund seiner Verdienste, die er sich bei der sechzehnjährigen Führung der Feuerwehr erworben hat, über Vorschlag des Bürgermeisters zum Ehrenkommandanten durch einstimmigen Beschluß gewählt. Herr Johann Ibeschitz, Stinkenbrunn 78, wurde zum Kommandanten und Herr Johann Plohowitz zu seinem Stellvertreter bestellt. Ordonnanz bleib unser bewährter Johann Koschitz, Stinkenbrunn 98. Die Männer gelobten, daß die Feuerwehr wieder so schlagkräftig werden soll wie ehedem.

 

Bearbeitung folgt!

Quelle: Burgenländische Freiheit Nr 37, 8. Dezember 1946, Seite 8.