Die Gründung der Konsumgenossenschaft 1924

Vor 90 Jahren – genau am 25. Jänner 1924 – wurde in Steinbrunn eine Konsum- und Spargenossenschaft gegründet. Und diese ganz lokale Art eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses mutet heute fast wieder modern an.

Der Betriebsgegenstand im Wortlaut der Satzung:

„Die Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Haushaltsartikeln, wie überhaupt von Waren aller Art durch Einkauf, Herstellung oder Bearbeitung und die Abgabe dieser Waren an die Mitglieder gegen sofortige bare Zahlung sowie die Förderung des Sparsinns der Mitglieder durch Entgegennahme und Verzinsung von Spareinlagen.“

Die Betonung der „sofortigen“ Barzahlung bei Einkauf ist natürlich kein Zufall. 1924 war das Burgenland gerade erst zu Österreich gekommen, ein Land ohne Infrastruktur, ein Armenhaus. Die Straßenverhältnisse zwischen Sauerbrunn (das damals noch Sitz der Landesverwaltung war) und Eisenstadt über Steinbrunn war so abenteuerlich schlecht, dass ein damaliger Landesrat seine (Neben-)Funktion in einer Eisenstädter Bank nicht wahrnehmen konnte, weil ihm der Aufwand der Fahrten „unzumutbar“ gewesen sei.

Der erste Stinkenbrunner Konsumverein entsprang also auch der puren Not in der Bevölkerung, weil die Versorgung mit ganz alltäglichen Gütern nicht gesichert war.

Einkaufen in der Genossenschaft war strikt nur den Mitgliedern möglich. Ein Geschäftsanteil kostete 50.000 Kronen, 30.000 waren als Mindestanzahlung zu leisten. Zum Vergleich: Ein Kilo Brot kostete rund 5.000 Kronen.

Der Vorstand bestand bei der Gründung aus drei Mitgliedern: Johann Fraß, Schlosser, Gottfried Ullrich (1925 durch den Arbeiter Stefan Knaus ersetzt), Landwirt und Kasper Milalkovits, Tischler.

Die Gründung wurde zweimal im Landesamtsblatt des Burgenlandes veröffentlicht. Beim ersten Mal war ein kleiner Fehler unterlaufen: Vorstandsmitglied Ullrich war mit dem Vornamen „Gottlieb“ bezeichnet worden.

Im Mai 1927 wurde Vorstandsmitglied Johann Fraß gelöscht, statt ihm kommt Josef Mesgolitsch (sic!), Zimmermann in Stinkenbrunn.

Quelle: Landesamtsblatt für das Burgenland, 1924f, ÖNB

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