Moritz Mezei (1886-1944)

Moritz (Maurus) Mezei (auch Mezzei) wurde am 30. November 1886 in Stinkenbrunn/Steinbrunn geboren. Seine Eltern waren Ignatz und Therese, geborene Schneider (die Familie Schneider besaß bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Brantweinstube in Steinbrunn). Seine Geburt ist in den Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Eisenstadt verzeichnet.

Nach der Schule zog er 1904 zum Studium nach Wien. Im Ersten Weltkrieg war er Offizier des Infanterie Regiments Nr. 76 an der russischen Front und kehrte erst 1921 aus russischer Gefangenschaft zurück.

Am 29. Juli 1923 heiratete er Margarethe Neufeld in Wien. Am 13. Mai 1924 kamen die Zwillingskinder Ilse und Kurt auf die Welt. Seit 1929 lebte die Familie im Karl-Marx-Hof in Wien.

Maurus Mezei arbeitete als Journalist, Schriftsteller und Übersetzer aus dem Ungarischen. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei und arbeitete in sozialdemokratischen Zeitungen mit. Mezei übersetzte zahlreiche Bücher und Texte ungarischer Schriftsteller und belieferte Zeitungen im ganzen deutschen Sprachraum mit seinen Artikeln.

Nach dem Anschluss wurde die Familie Mezei bereits im Juni 1938 aus ihrer Wohnung delogiert. Maurus Mezei plante die Auswanderung seiner Familie. Doch ab Dezember 1938 wurde er für einige Monate in Bruck an der Leitha inhaftiert. Darauf versuchte er nach Ungarn zu gelangen, wo er aber wieder inhaftiert wurde. 1939 gelang ihn die Flucht nach Italien. Auch auf der Flucht versuchte er noch verzweifelt, seine Übersetzungen den verschiedensten Zeitungen anzubieten, um das Geld für die Auswanderung zu beschaffen. Mit seiner Familie stand er in regelmäßigem Briefkontakt. In Mailand wurde er wieder festgenommen und in das Internierungslager Urbisaglia gebracht. Mezei setzte alles daran, nach Amerika zu gelangen. Doch seine Pläne scheiterten am Geld: Er konnte die Schiffspassage einfach nicht bezahlen.

1943 wurde Maurus Mezei verhaftet und im April 1944 mit einem Gefangenentransport nach Auschwitz gebracht. Im September 1944 wurde er dort in den Gaskammern umgebracht.

Auch seine Kinder in Wien überlebten den Krieg nicht. Ilse kam bei einem Bombenangriff ums Leben, Kurt wurde von einem SS-Kommando erschossen. Einzig Margarethe Mezei überlebte den Krieg. Sie vermachte die vielen Briefe und Aufzeichnung dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW).

Das Dokument der Holocaust-Gedenkstätte Yad Washem:

63

Quelle: Herbert Exenberger, Von Italien nach Auschwitz: Der österreichische Schriftsteller Moritz (Maurus) Mezei; in: Österreichisches Exil in Italien 1938-1945, 2009.

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