Eine alte Karte vom Hartl

Der Hartl, der große Wald im Norden von Steinbrunn (Ort), wird schon seit Jahrhunderten zur Jagd genutzt. Eine Karte von 1802, die ich im Landesarchiv Baden-Württemberg gefunden habe, zeigt, wie der Wald systematisch für die Jagd angelegt wurde.

Landesarchiv Baden-Württemberg Staatsarchiv Wertheim 7-311609 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=7-311609

Landesarchiv Baden-Württemberg
Staatsarchiv Wertheim
7-311609
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=7-311609

Zur Karte: Die Karte ist eine sogenannte Inselkarte, es ist nur der gewünschte Bereich grafisch dargestellt – wie eine Insel. Es handelt sich um eine handkolorierte Federzeichnung. Der 42 mal 65 cm große Plan ist aus dem Bestand des ehemaligen Staatsarchivs Wertheim und wurde dort fälschlicherweise geographisch „Böhmen“ zugeordnet.

Titel der Karte: „Grundriss des eingerichteten Streifjagens im Stinkenbrunner Wald, Hartl genannt“. Eingezeichnet sind: das Herrschaftsgebäude (das „Schlössl“), Bauernanteile, Schütthütten und eine Schottergrube, der Pfarrwald.

Welche Erkenntnisse bringt uns diese Karte?

1) Das Jagdschlössl im Hartl wurde 1795 errichtet – also nur wenige Jahre bevor die Karte gezeichnet wurde – vielleicht aus Anlass der Errichtung (und Anlage des Waldes)?

2) Die Karte beweist: Der Hartl wurde schon in seiner damaligen Form als reiner Jagdwald angelegt. Der ergibt sich aus der Art der Jagd-Bewirtschaftung: Er diente der Streifjagd, also einer Jagdform, wo ein Gebiet in breiter Front von den Jägern abgegangen wird.

3) Die in der Karte eingezeichneten Wege und horizontalen Zonen dienen dieser Streifjagd. Die Jäger konnte bequem über die Wege und „Streifen“ ein Areal „abjagen“.

4) Überall im Wald stehen „Schütthütten“ (Buchstabe C). Dabei dürfte es sich um Unterstände oder Volieren für das Wild gehandelt haben. Dafür spricht, dass auch „Lauf, Schütt für einheimische Vögel“ (Buchstabe F) – also Volieren für Fasane und Rebhühner, eingezeichnet sind. Der Hartl ermöglichte also nicht nur die bequeme Streifenjagd, sondern es wurden auch direkt vor Ort die Jagdtiere in großer Zahl gezüchtet.

5) Die Anlage des Hartl ist kleiner als heute: Südwestlich (auf der Karte links) erstrecken sich heute weitere Waldflächen.

6) Die Jagd-Anlage des Hartl dürfte um 1800 so „modern“ gewesen sein, dass sie als Musteranlage auf Karten dokumentiert wurde und so in die Wertheim’sche Sammlung gelangte.

7) Interessant in diesem Zusammenhang: Mit keinem Wort werden die Esterhazy auf der Karte genannt, die Eigentümer der Anlage.

Zur adeligen Jagd im Hartl siehe hier.

Die Karte ist digitalisiert und über diesen Permalink abrufbar:

http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=7-311609

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