Konstituierung des Stinkenbrunner Gemeinderates 1931

Von dieser Sitzung berichtet ein Zeitungsbericht der sozialdemokratischen „Burgenländischen Freiheit“. Die Fakten:

  • Die konstituierende Sitzung fand am Pfingstmontag statt
  • Der Gemeinderat hatte 13 Mitglieder: 6 Sozialdemokraten, 4 Christlichsoziale, 2 der Arbeiter- und Kleinbauernpartei und ein Kommunist;
  • Es gab zwei Wahlgänge für die Bürgemeisterwahl, da bei der ersten Wahl der Sozialdemokrat Gludowatz nur sechs Stimmen erhielt
  • Der Sozialdemokrat Peter Gludowatz wurde mit sieben Stimmen zum Bürgermeister gewählt (zur Liste der Steinbrunner Bürgermeister)
  • Zum Vizebürgermeister wurde der Christlichsoziale Gottfried Ullrich gewählt
  • Vorstandsmitglieder auf Seiten der Sozialdemokraten wurden Johann Frass und Rudolf Lasch, Gemeidekassier wurde Paul Ribitsch;
  • in die Baukommission wurde Gemeinderat Meskolitsch gewählt, in den Bezirksstraßenausschuss Bürgermeister Gludowatz, der Schlichtungskommission gehören Vizebürgermeister Ullrich und Vorstandsmitgleid Frass an, der Kassakontrollkommission die Gemeinderäte Knaus und Palkowitsch.

Der Autor in der „Burgenländischen Freiheit“ bezeichnet den Verlauf der Sitzung als „bewegt“ und polemisiert gegen die anderen Fraktionen: Die Arbeiter- und Kleinbauernpartei habe ihre „Qualtität“ gezeigt, da sie für den christlichsozialen Bürgermeisterkandidat gestimmt habe. Die Christlichsozialen seien eine „hübsche Partei“, da die Funktionäre bei der Wahl des Vizebürgermeisters ihren eigenen Kandidaten nicht unterstützt hätten und sich zwei Mitglieder (Palkowitsch, Meskolitsch) selbst gewählt hätten. Der Autor wählt die Formulierung „scheinbar selbst“, denn die Wahl erfolgte geheim und es ist auch ein anderes Stimmverhalten der Gemeinderäte möglich. Der Vertretrer der Kommunisten sei „demagogisch“, weil er die Herabsetzung der Bürgermeistergebühren gefordert habe.

Nebenbei:

  • Zu dieser Zeit (1931) wurde in Zeitungsberichten eine „eingedeutschte“ Schreibweise der kroatischen Familiennamen gepflogen wie Ribitsch und Meskolitsch, die nicht mit dem amtlichen Namen übereinstimmen musste.
  • Die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat waren denkbar kompliziert: Die Sozialdemokraten hatten keine absolute Mehrheit, die Stimmen der kleinen Parteien (KPÖ, Arbeiter- und Kleinparteibauern) konnten bei Abstimmungen den Ausschlag geben (6+1 bzw. 6+2 Stimmen für die absolute Mehrheit von 7 Stimmen). Gerade gegenüber diesen Parteien waren ber das Misstrauen und die Animositäten bei den Sozialdemokraten besonders groß, weil sie als unmittelbare Konkurrenz empfunden wurden.

Quelle: Burgenländische Freiheit, 5. Juni 1931; Nr 24 1931, Seite 6.

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