820 Hasen

Im 19. Jahrhundert waren die Jagden in Steinbrunn gesellschaftliche Großereignisse (siehe Eintrag). Dabei wurden nicht nur die Zuchttiere aus den Volieren und Gattern im Hartl genutzt, sondern auch auf freiem Feld gejagt, wie eine Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1895 zeigt.

In der Rubrik „Aus den ungarischen Jagdrevieren“ wird über mehrere Jagden „um und bei Eisenstadt“ in der dritten Jännerwoche 1895 berichtet. Teilnehmer waren 

„Fürst Paul Esterhazy, Prinz Nikolaus Esterhazy, Graf Anton Apponyi, Oberstleutnant Engel, Oberstuhlrichter L. Faludy, Bürgermeister R. Parzer, Sektretär Huszty und Forstmeister Lakner“.

Bei Eisenstadt schoss man 48 Stück Schwarzwild, 20 Rehe und 370 Fasane. bei St. Georgen 420 Hasen. Bei „Stinkenbrunn wurden 840 Hasen geschossen“ – in Kettenjagd.

Anmerkungen:

  • Die Jagden werden nicht als Esterhazy´sche Jagden bezeichnet, sondern nur als „um und bei Eisenstadt“. Der Grund dürfte darin liegen, dass die Besitzungen der Esterhazy zu dieser Zeit noch zwangsverwaltet wurden. In einer kurzen Jagdmeldung aus dem Jahr 1899 (Neuigkeits-Welt-Blatt, 26.1.1899) wurde nach dem Ende der Zwangsverwaltung wieder von einem „Revier des Fürsten Nikolaus Esterhazy nächst Stinkenbrunn“ gesprochen. Damals nahmen gleich drei Grafen Cziraky teil, 573 Hasen wurden getötet.
  • 840 getötete Hasen ist eine stolze Zahl, aber – laut Jägern – durchaus vorstellbar.

Zu den Teilnehmer:

  • Fürst Paul IV. Esterhazy (Wikipedia), damals 51; hatte erst 1894 das (zwangsverwaltete) Majorat von seinem Vater (Nikolaus III.) übernommen, er starb schon 1898 auf Burg Lockenhaus.
  • Prinz Nikolaus Esterhazy (Wikipedia): damals 25, Sohn von Paul IV., übernahm 1898 das Majorat und konnte die Zwangsverwaltung (die durch die Verschuldung der Familie durch ihren üppigen Lebensstil verursacht worden war) beenden; er starb 1920 in Ödenburg.
  • Graf Anton Appony, aus der ungarischen Adelsfamilie Apponyi
  • Bürgermeister R. Parzer: Dabei könnte es sich um den damaligen Bürgermeister von Ebenfurth handeln, der auch Abgeordneter zum NÖ Landtag war. Allerdings hieß dieser Moriz Parzer; es könnte ein Setzfehler vorliegen.
  • Oberstuhlrichter L. Faludy: Damit dürfte Laurenz Faludy gemeint sein, Oberstuhlrichter in Ödenburg

Quelle: Neuigkeits-Welt-Blatt, 31. Jänner 1895, Seite 15.

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