1919: Schmuggel „im großen“

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte unsere Region 1919 stürmische Zeiten: Zuerst die wenigen Monate der Ungarischen Räterepublik, dann der Beginn des Horthy-Regimes. Und das alles, während in Paris noch über die Friedensverträge und die Zukunft von Westungarn verhandelt wurde. Die Lage an der Grenze machte Steinbrunn zur Schmuggler-Hochburg.

Am 30. November 1919 berichtete der Pester Lloyd:

„Aus Sopron wird dem Magyar Kurir geschrieben: Die Soproner Grenzpolizeihauptmannschaft hat in der vergangenen Woche in der Gemeinde Büdöskut ein eigenes Grenzpolizeidetachement aufgestellt. Die Errichtung des neuen Detachements war dadurch notwendig geworden, dass durch Büdöskut der Schmuggel im großen betrieben wurde.“

 

Bemerkungen:

  • Büdöskut ist Stinkenbrunn ist Steinbrunn.
  • Die Ungarische Räterepublik unter Bela Kun war im August 1919 zusammengebrochen. Der Vertrag von Trianon (Paris), der die Gebietsabtretung des heutigen Burgenlandes an Österreich festlegte, wurde erst 1920 unterschrieben.
  • Formell bestand zu diesem Zeitpunkt in Ungarn noch das Königreich Ungarn mit dem Reichsverweser Horthy, in Österreich hingegen schon die Republik – es gab keinen gemeinsamen Herrscher mehr.
  • Durch die staatsübergreifenden Kohlereviere (Steinbrunn-Zillingdorf) und die lange, grüne Staatsgrenze zu Niederösterreich war das Gebiet zwischen Steinbrunn, Zillingdorf und Lichtenwörth ideal zum illegalen Grenzübertritt und Schmuggel.

Quelle: Pester Llyod, 30. November 1919, Seite 8

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