Steinbrunns ältestes Denkmal

Das Ding steht in der Neuen Siedlung am Rand einer „Gstettn“. Daneben wurde ein Holzkreuz in der Erde geschlagen, da dürfte ein Hund eingegraben worden sein. Aber: Dieses Ding ist wahrscheinlich über 600 Jahre alt und damit vermutlich das älteste Denkmal auf Steinbrunner Boden. Das sogenannte Sühnekreuz in der Birkengasse. Eine Nachschau.

 

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Das Denkmal steht versteckt in der Birkengasse, man fährt leicht vorbei, wenn man nicht aufmerksam ist. Das Steinkreuz steht auf einem Betonsockel, im Sommer ist der Platz mit hohem Gras verwachsen und die Säule noch weniger zu sehen. Die Form ist sehr schlicht, primitiv, ein Arm des Kreuzes ist abgebrochen und wurde irgendwann einmal (nicht besonders professionell) mit einem Betonarm ergänzt.

Form, Funktion und Alter des Steinkreuzes lassen sich anhand ähnlicher Kreuze recht gut bestimmen. Bei solchen „Marterln“ handelt es sich um Sühnekreuze, die im 14. und 15. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa errichtet wurden. In den meisten Fällen war ein schweres Verbrechen Anlass für die Errichtung: Hatte etwa jemand einen anderen umgebracht, so wurde er dazu verurteilt, eigenhändig ein Kreuz zu errichten, um Sühne für seine Tat zu tun. Aus diesem Grund sind diese Sühnekreuze auch so wenig kunstvoll, weil sie von Laien gemeißelt wurden. Der Täter musste auch für die Erhaltung des Sühnekreuzes aufkommen. In der Neuzeit (ab 1500) wurden solche Sühnekreuze nicht mehr errichtet.

Das Steinbrunner Sühnekreuz ist also wahrscheinlich rund 600 Jahre alt und damit wesentlich älter als alle anderen Marterln und Gedenksäulen im Gemeindegebiet, von den die ältesten aus dem 17. Jahrhundert stammen. Es könnte in Zusammenhang mit einer Räuberbande, die im Mittelalter rund um den Hartl „tätig“ war, errichtet worden sein.

Wie es zur Errichtung des Steinbrunner Sühnekreuzes kam, ist nicht bekannt. Man weiß aber, dass das Kreuz ursprünglich direkt bei der Werkskantine in der Neuen Siedlung stand, dem ehemaligen Gasthaus Stiassny an der heutigen Durchzugsstraße. Im 20. Jahrhundert (genaues ist nicht bekannt) wurde das Kreuz im Zuge eines Hausbaus auf die heutige Stelle versetzt. Dass das so ganz unspektakuläre Steinkreuz damals nicht zerstört wurde und erhalten blieb, ist ein Indiz dafür, dass in der Erinnerung die Bevölkerung die Bedeutung des Steinkreuzes  lange erhalten geblieben ist.

Die „Steinbrunner Gemeinderundschau“ widmete im November 1969 dem Sühnekreuz einen Artikel, der im wesentlichen auf die Daten aus dem Artikel von Rudolf Brandlhofer aus dem Jahr 1951 (siehe Quellen) beruht. Das Foto im Artikel zeigt, dass damals noch keine Bäume in der Umgebung des Denkmals standen.

Im Juni 1994 suchte ein Mitglied der „Internationalen Steinkreuzforschung“ nach dem Steinkreuz. Der damalige Gemeindechronist, RegR Josef Ibesich, zeigte ihm das Kreuz. Bis vor kurzem war aber das Kreuz in der Datenbank des Arbeitskreises  nicht eingetragen (das wurde von mir im Februar 2016 nachgeholt).

 

Quellen:

Rudolf Brandlhofer: Steinkreuze im Burgenland. Burgenländische Heimatblätter Jahrgang 13, 1951, Seite 19f.

Steinbrunner Gemeinderundschau 1969,2.

 

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