Besuch aus Russland

Die besondere Geschichte einer russisch-Steinbrunnerischen Familie, die als Folge des Ersten Weltkriegs begann.

Im Juli 1991 berichtete die „BF Burgenländische Freiheit„:

Alte Bilder werden wieder lebendig

Der nicht alltägliche Lebensweg einer „Russin aus Steinbrunn“

Es ist „fast ein Staatsbesuch“, den die Gemeinde Steinbrunn derzeit in ihren Mauern willkommen heißt: Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, daß eine Russin aus Steinbrunn – oder eine Steinbrunnerin aus Rußland? – nach Jahrzehnten wieder in ihre alte Heimat zurückkehrt.

Wie das Leben mit Menschenschicksalen spielt, dafür kann Viktoria Bobrenok, geborene Gludowatz, als Beispiel dienen. Tochter eines Steinbrunners, der 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geriet, im Lenin-Reich blieb und eine russische Lehrerin heiratete, kam Viktoria 1928 als Sechsjährige „zu Besuch“ nach Steinbrunn – ein Besuch, der zehn Jahre dauern sollte. Volksschule in Steinbrunn, Hauptschule in Neufeld – „ich kenne heute noch die halbe Ortschaft“.

Nach dem Hitler-Einmarsch 1938 aber mußte sie als „unerwünschte Ausländerin“ – „Ich hatte damals die sowjetische Staatsbürgerschaft, obwohl ich nicht russisch konnte, sondern nur kroatisch und deutsch“  – zurück nach Moskau. Und blieb für ihre Steinbrunner Freunde, vor allem für die Familie ihres Cousins Ludwig Rechtberger, zunächst verschollen. Bis 1951, als eine Steinbrunner Delegation Moskau besuchte. Rechtberger heute: „Damals haben wir sie im Moskauer Rundfunk ausrufen lassen – und tatsächlich hat sich jemand gemeldet, der uns ihre Adresse in Sibirien sagen konnte.“

Denn mittlerweile war Viktoria verheiratet und nach Tomsk am Ob, 7000 Kilometer von Österreich entfernt, verzogen. 1972 war es dann so weit, erste Ausreisegenehmigung zum „Besuch des Grabes des Vaters“ in Steinbrunn. Und heute, im Zeitalter der Perestroika, sogar ein Visum für vierzig Tage – samt Sohn und Enkel.

Und ein dichtes Programm: Mit dem Steinbrunner Landsmann Gerhard Frasz Besuch bei Landeshauptmann Karl Stix, Einladungen bei alten Freunden aus der Schulzeit und und…

Eine Gerührte Viktoria Bobrenok-Gludowatz zur BF: „Einfach ein Traum. Ich habe mein altes Steinbrunn erst gar nicht wiedererkannt, so schön ist alles hier geworden.“

 

 

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