Chemisches, Physikalisches, Biologisches zum Steinbrunner See

Im Vorjahr (2015) hat das Amt der burgenländischen Landesregierung und das Gesundheitsministerium ein Badegewässerprofil des Steinbrunner Sees erstellt. Darin finden sich einige interessante Fakten.

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Warum das Strittfeld Strittfeld heißt

Im Ortsteil Steinbrunn See liegt am östlichen Rand die Strittfeldsiedlung. Es gibt eine Strittfeldstraße und auch den Riednamen Strittfeld. Hinter dem Namen verbirgt sich die Geschichte eines Konflikts, bei dem sich zwei Ortschaften am Acker und vor den Behörden bekriegten.

Im Oktober 1889 berichtet die „Neue Freie Presse“ unter dem Titel „Herrenloses Land in Niederösterreich“ folgendes:

„Nordöstlich von Wiener Neustadt breitet sich eine furchtbare Ebene aus, deren Fortsetzung der Stinkenbrunner Höhenzug bildet. Dort grenzen zwei Ortschaften, Zillingdorf und Stinkenbrunn, aneinander. Beide liegen jenseits der Leitha, obwohl Zillingdorf noch (cis-)österreichisch ist. Auf der Höhe zwischen Zillingdorf und Stinkenbrunn liegt ein ungefähr 60 Joch großes fruchtbares Stück Land, um welches seit länger als einem Menschenalter die (cis-)österreichische und ungarische Gemeinde streiten, was diesem herrenlosen Landstücke den bezeichnenden Namen „die strittige Haide“ eingetragen hat.



Die Zillingdorfer Gemeinde beansprucht diese strittige Haide als ihr Eigenthum nach der Tradition, der Schrift (im Steueramte zu Wiener Neustadt), der Karte etc. Zu Anfang der Fünfziger Jahre wurde unter dem damaligen Regimente gewiß eine genaue Katastralvermessung vorgenommen, aber Zillingdorf zahlt seither die Grundsteuer für die „strittige Haide“ nach Neustadt und Stinkenbrunn nach Eisenstadt. Stinkenbrunn wurde in den Sechziger Jahren commassirt. Fürst Esterhazy war der Hauptbeteiligte. Die „strittige Haide“ wurde von den Ungarn nicht berührt, was sie auf Grund eines Rechtstitels gewiß getan hätten.



Der Ausgleich wurde geschlossen, dabei die Grenzfrage aufs sorgfältigste gelöst, aber mit der „strittigen Haide“ blieb es beim Alten. Vor Jahren dachten sich die bäuerlichen Nachbarn die Lösung dieser Eigenthums- und Grenzfrage höchst einfach. Die Zillingdorfer bespannten Pflüge, fuhren hinaus und fingen an umzureißen, da kamen die Nachbarn und vertrieben sie – ein andermal versuchten es die Stinkenbrunner von ihrer Seite aus, aber mit ganz gleichem Erfolge. Seit Jahren processieren die Gemeinden ohne Erfolg. Dies ist der Sachverhalt, wie ihn in hiesiger Gegend Jedermann kennt. Die hohen Vertretungskörper dürfen aber die Angelegenheit vielleicht doch der endlichen Lösung, so oder so, für werth halten.“

Soweit der Artikel im Originalwortlaut. 

Ergänzend:

  • Bei der „strittigen Haide“ handelt es sich unstrittig um das Steinbrunner Strittfeld.
  • 60 Joch entsprechen heute rund 34 Hektar (= rd. 340.000 m2).
  • Der Verfasser des Artikels ist parteiisch: Zum einem erschien der Text in einer österreichischen Zeitung, zum anderen stammt er laut Meldungskopf aus Wiener Neustadt, wohin ja die Zillingdorfer ihre Steuern zahlen mussten. Der Autor zeigt klare Präferenzen für die Zillingdorfer Seite.
  • Die Leitha trennte bis 1921 Cisleithanien (Erzherzogtum Österreich, dann die Republik Österreich) von Transleithanien (Königreich Ungarn) – mit Ausnahme von Zillingdorf, das auf der transleithanischen Seite lag, aber zu Cisleithanien gehörte: Zwei unterschiedliche Rechtssysteme, zwei unterschiedliche Steuersysteme, zwei unterschiedliche Verwaltungsapparate trennten die Dörfer Zillingdorf und Steinbrunn. Der kleine Grenzkonflikt zwischen Steinbrunn und Zillingdorf hatte damit eine besondere juristische Dimension.
  • Der Konflikt um das Strittfeld dürfte erst nach dem Ende der Grundherrschaft 1848 virulent geworden sein.
  • Wie der Konflikt ausgegangen ist, ist mir (noch) nicht bekannt. Steinbrunn dürfte den Konflikt jedenfalls nicht verloren haben, in diesem Fall müsste das Strittfeld ja im niederösterreichischen Zillingdorf liegen.
  • Dass eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit durchaus möglich war, zeigt sich beim auf dem Strittfeld gelegenen Braunkohlebergwerk. Dort wurde ohne Rücksicht auf Cis- und Transleithanien grenzüberschreitend gearbeitet. Durch den Steinbrunner See verläuft noch heute die Landesgrenze.

Quelle: Neue Freie Presse vom 24. Oktober 1889, Seite 17.

TIBEAN online

Der Steinbrunner See ist an seiner tiefsten Stelle 23 Meter und hat keinen natürlichen Zufluss. Damit die tiefen Bereiche des künstlichen Sees mit Sauerstoff versorgt werden, wurde 2012 das Projekt TIBEAN installiert:

„Die Tiefenwasserbelüftungsanlage TIBEAN entnimmt 500 m³/h Tiefenwasser aus 20 m Tiefe und leitet dieses nach Belüftung und Entgasung in 12 m Tiefe 2 m unter der haloklinen Schichtung wieder ein.“

Das Besondere: Die laufenden Überwachungsdaten können online angesehen werden (zum Online-Monitoring). Recht interessant: Neben Sauerstoffgehalt wird auch die Wassertemperatur in verschiedenen Tiefen in kurzen Abständen gemessen. In 12 Meter Tiefe hat der See recht konstant rund 7 Grad Celsius und ist damit im Winter deutlich wärmer als das Wasser an der Oberfläche. Im April (Tiefe kälter als Oberfläche) und im November (Tiefe wärmer als Oberfläche) dreht sich das Verhältnis der Temperaturen.

Quelle: zur Seite von Polycon (Projektbeschreibung)